Kritik: Fluch oder Segen?

Es ist schwer zu sagen, was unangenehmer ist: Kritik zu üben oder auszuhalten, vor allem wenn es um negative Kritik geht. Vermutlich haben wir alle schon einmal erlebt, wie herausfordernd es sein  kann, einen Fehler von jemandem zu kritisieren, den man nicht verletzen will. Genauso haben wir uns wahrscheinlich alle schoneinmal in der Rolle des Kritisierten befunden und  bekamenam eigenen Leib zu spüren, wie unangenehm sich das anfühlen kann.

Eins ist dennoch klar: Ohne Kritik, zumindest ohne konstruktiver negativer Kritik ist kein Fortschritt möglich, denn gerade aus Fehlern lernen wir. Wie können wir Kritik optimal geben bzw. annehmen?

Der erste Reflex...

Kritik: Fluch oder Segen - Wie Garfield mit Kritik umgeht

Egal wie negative Kritik geübt wird, der erste Reflex ist immer eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Verteidigungshaltung, die manchmal auch irrationale Ausprägungen hat.  John Cacioppo, Neuropsychologe der Universität von Chicago konnte zeigen, dass unser Hirn auf negative Stimuli stärker reagiert als auf gleichwertige positive Reize. Das kann auch mit ein Grund dafür sein, warum wir auf negatives Feedback stärker regieren und es dadurch so leicht zu Verzerrungen kommt.

 

In uns ist eine Angst vor Ausgrenzung und dem Verlust der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft stark verwurzelt, denn eine Gemeinschaft war für den Menschen immer überlebenswichtig. Ein ausgestoßener Steinzeit-Bürger hatte kaum Überlebenschancen. Natürlich ist jetzt unser Arbeitskollege, der einen Fehler in einem Dokument bekrittelt nicht direkt lebensbedrohlich, aber die Angst vor der Ausgrenzung aus Zeiten der Jäger und Sammler ist noch tief in uns verankert. Das Schlimme an einer Kritik ist für uns also nicht direkt der Inhalt, sondern die Angst, dass sich jemand von uns abwendet!

 

Wenn wir jemanden kritisieren, egal mit welchen psychologischen Tricks wir auch arbeiten und wie gut die Kritik auch gemeint ist, müssen wir einfach akzeptieren, dass unser Gegenüber jetzt nicht im ersten Moment voller echter Dankbarkeit ist, sondern mit dem Verteidigungsreflex zu kämpfen hat. Genauso ist es umgekehrt, wenn wir kritisiert werden: Einfach bewusst einmal tief Luft holen und sich im Klaren darüber sein, dass unser Hirn zuerst einmal Angst vor Ausgrenzung hat. Erst wenn wir die Angstphase hinter uns haben, sind wir in der Lage zu sehen, was wir aus der Kritik lernen können.

Was tun?

Natürlich gibt es Möglichkeiten, den Verteidigungsreflex eher gering ausfallen zu lassen, wenn wir in der Kritiker-Rolle sind. Wir können es dem Gegenüber leichter machen, eine negative Kritik anzunehmen, indem wir sie z.B. mit einer wohlwollende Mimik und Stimme präsentieren.  Am besten ist es, wenn wir warten, bis der Ärger verflogen ist, bevor wir Kritik üben. Nicht umsonst heißt es im Volksmund oft, dass man „mal eine Nacht drüber schlafen“ soll. Solange eigene negative Emotionen im Spiel sind, fällt die Kritik nicht sehr konstruktiv aus.
Ebenfalls hilfreich ist es, ein Feedback-Gespräch mit einer Frage einzuleiten, denn das gibt  dem Gesprächspartner ein Gefühl der Beteiligung am aktuellen Prozess. Eine Kritik ist auch viel förderlicher, wenn sie nicht pauschal ist und sich auf eine konkrete Situation bezieht, also Verallgemeinerungen wie „Immer machst du….“ sollten wir vermeiden.
Wichtig ist, dass das Gegenüber nicht das Gefühl hat, sein Gesicht zu verlieren, sowohl was die Formulierung betrifft, als auch was die Rahmenbedingungen angeht. Kritik vor anderen in der Gruppe ist gar nicht angebracht, diese sollte auf jeden Fall unter vier Augen stattfinden.

 

Ist die Kritik einmal ausgesprochen, ist die erste Hürde geschafft. Wenn sich aber nachhaltig etwas ändern soll, reicht es nicht zu sagen was unpassend oder falsch empfunden wurde, sondern auch Möglichkeiten zu besprechen, wie eine gutes, passendes Verhalten aussehen würde.

 

Was uns selber hilft, wenn wir negativ kritisiert werden: Erst mal abwarten, tief durchatmen und immer daran denken, dass sich unser Hirn jetzt einmal automatisch wehrt, aber die Kritik dennoch gerechtfertigt sein könnte und wir viel daraus lernen können.

Eine weitere Möglichkeit ist es, aktiv nach Feedback zu fragen, denn so können wir uns elegant aus der „Opferrolle“ herausbewegen und Inspirationen für unseren persönlichen Fortschritt bekommen. Ohne Kritik, und wenn es Selbstkritik ist, können wir uns nicht weiterentwickeln. Und man bedenke: Andere sehen oft ganz andere Aspekte, als wir selbst wahrnehmen.

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